Schwanger schon beim ersten Versuch? Das sagen Statistiken zur künstlichen Befruchtung
- 29. April 2023
- Veröffentlicht durch: kiwuAdmin
- Kategorie: Ratgeber
Zusammenfassung
Die Zahl der Kinderwunschbehandlungen nimmt stetig zu. In Deutschland ist mittlerweile etwa jedes sechste Paar ungewollt kinderlos. Kamen 1997 noch rund 6.500 Kinder nach einer solchen Behandlung zur Welt, waren es 2020 bereits mehr als 22.200. Doch wie hoch sind die Erfolgsaussichten der künstlichen Befruchtung? Und besteht eine reelle Chance, schon beim ersten Versuch schwanger zu werden? Wir haben uns die Statistiken einmal näher angeschaut.
Welche Arten der künstlichen Befruchtung gibt es?
Bei der Kinderwunschbehandlung können verschiedene Verfahren der künstlichen Befruchtung zur Anwendung kommen. Welche jeweils am sinnvollsten ist, richtet sich nach der individuellen Situation. Deshalb geht entsprechenden Behandlungen immer eine sorgfältige Diagnostik bei beiden Partnern voraus, um die Ursache der Unfruchtbarkeit zu ermitteln.
Insemination
Wird beim Mann eine zu geringe Samenmenge oder eine mangelnde Spermienqualität festgestellt oder liegt bei der Frau eine Infertilität aufgrund eines Problems im Bereich des Gebärmutterhalses vor, kommt in aller Regel die Insemination zur Anwendung.
Hierbei werden Samenzellen mittels Spritze oder mit einem weichen Katheter direkt in den Gebärmutterhals, die Gebärmutter oder den Eileiter eingebracht. Von dort aus müssen sie selbstständig ihren Weg zur befruchtungsfähigen Eizelle finden.
In-Vitro-Fertilisation (IVF)
Leidet die Frau unter einer Störung, die das Zusammenkommen von Ei- und Samenzellen auf natürlichem Wege verhindert (z. B. Eileiterverschluss), kann eine In-vitro-Fertilisation (IVF) zum Wunschkind verhelfen. Der Patientin werden dazu befruchtungsfähige Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit den Spermien des Partners befruchtet.
Nach drei bis fünf Tagen im Inkubator werden sie über die Vagina in die Gebärmutter eingesetzt. Sofern die Einnistung gelingt, kann die weitere Entwicklung auf natürlichem Wege stattfinden.
Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
Bei dieser Methode injizieren die Mediziner eine Samenzelle direkt in die Eizelle. Der weitere Verlauf ähnelt dem der IVF. Dieses Verfahren kommt zum Einsatz, wenn die Samenwege des Mannes undurchlässig oder im Ejakulat zu wenige oder keine Spermien enthalten sind. Die Samenzellen können frisch oder vorab durch die Testikuläre Spermienextraktion (TESE) oder die Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA) gewonnen worden sein.
Frische Spermien gewinnt der Mann selbst durch Masturbation. Anschließend wird das Sperma im Labor aufbereitet und eine oder mehrere Samenzellen zur Befruchtung ausgewählt. Bei den anderen Verfahren wird Gewebe aus den Hoden (TESE) oder Flüssigkeit aus den Nebenhoden (MESA) entnommen. Finden sich darin befruchtungsfähige Spermien, werden die Proben eingefroren und am Tag der ICSI im Labor aufgetaut und vorbereitet.
Intratubarer Gametentransfer (GIFT)
Beim GIFT werden der Frau im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) Eizellen entnommen und zusammen mit den Spermien des Partners in einen oder beide Eileiter gespritzt. Das geschieht entweder mithilfe eines Katheters durch den Muttermund oder mittels Laparoskop über die Bauchdecke. Die Befruchtung wird der Natur überlassen.
Verwendung findet diese Methode, wenn sich die Ursachen der Kinderlosigkeit nicht exakt ermitteln lassen oder beim Vorliegen einer Endometriose. Die Erfolgschancen sind ähnlich wie bei der IVF. Allerdings ist GIFT mit höheren Komplikationsrisiken (z. B. Gefahr einer Eileiterschwangerschaft) verbunden. Deshalb wird dieses Verfahren heute noch nur selten praktiziert.
Wie hoch sind die Erfolgschancen der künstlichen Befruchtung?
Das Ziel jeder Kinderwunschbehandlung besteht in der Schwangerschaft und der Geburt eines Kindes. Wie bei der natürlichen Zeugung kann es auch bei der künstlich herbeigeführten Verschmelzung von Ei- und Samenzelle zu einem vorzeitigen Schwangerschaftsende kommen. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt 30 Prozent.
Ob natürlich oder künstlich befruchtet: Längst nicht jede Eizelle schafft es, sich in die Gebärmutter einzunisten. Gelingt es, unterbleibt die Menstruationsblutung und der Schwangerschaftstest fällt positiv aus. Von einer klinischen Schwangerschaft ist erst die Rede, wenn per Ultraschall eine wenige Millimeter große Fruchthöhle oder, je nach Auslegung, der Embryo erkennbar ist. Das ist in der dritten bzw. fünften Woche nach der Befruchtung der Fall.
Ob letztlich tatsächlich ein Kind zur Welt kommt, entscheidet sich erst in den folgenden Monaten. Die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt liegt bei einer künstlichen Befruchtung bei circa 20 Prozent.
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Das Alter der Frau als wichtigster Faktor für den Eintritt der Schwangerschaft nach der IVF und Co.
Kinderwunschkliniken werben häufig mit ihren Schwangerschaftsraten. Um diese richtig einordnen zu können, muss jedoch mehr über das Alter der behandelten Paare bekannt sein.
Je höher das Alter, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft. Eine 30-jährige Frau hat bei einer künstlichen Befruchtung eine fast doppelt so hohe Chance, schon beim ersten Versuch schwanger zu werden, wie eine 40-jährige.
Die Erfolgsrate nach einmaliger In-vitro-Fertilisation beträgt im Alter von 30 Jahren rund 40 Prozent. Mit fortschreitendem Alter wird sie kontinuierlich geringer. Das Alter des Mannes spielt ebenfalls eine Rolle, da jenseits der 45 sowohl die Anzahl der Spermien als auch deren Qualität abnimmt.
Die Chancen für eine Schwangerschaft nach einer künstlichen Befruchtung hängen noch von weiteren Faktoren ab. Ist beispielsweise die Zahl der heranreifenden Eibläschen zu gering, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, intakte Eizellen zu finden. Diese Fälle werden bei der Bestimmung der Schwangerschaftsraten üblicherweise nicht berücksichtigt. Gemeinhin wird die Rate erst ab dem Zeitpunkt gemessen, zu dem die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter transferiert wird.
Beim ersten Mal schwanger oder erst später – individuelle Chancen bei der künstlichen Befruchtung
Im Durchschnitt liegt die Wahrscheinlichkeit, nach der ersten In-vitro-Fertilisation oder der ersten Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion ein Baby zu bekommen bei 20 bis 30 Prozent. Die individuellen Erfolgsaussichten können jedoch deutlich von diesem Mittelwert abweichen.
Um diesbezüglich eine ungefähre Voraussage treffen zu können, muss die persönliche Situation sorgfältig geprüft werden. Dabei spielen neben dem Alter auch die verbleibende Fruchtbarkeit und der allgemeine Gesundheitszustand eine Rolle.
Die gute Nachricht: Mit jedem Versuch einer künstlichen Befruchtung erhöhen sich rein rechnerisch die Chancen auf eine Schwangerschaft. Nach dem zweiten Mal beträgt die aufsummierte Schwangerschaftsrate bereits 52 Prozent, nach dem dritten Versuch gut 61 Prozent. Nach vier Behandlungen sind fast 66 Prozent der Kinderwunschpatientinnen schwanger, also zwei von drei¹.
Erfolgsquoten der künstlichen Befruchtung im Überblick
- Im Jahr 2021 realisierten deutsche Kinderwunschzentren insgesamt 125.542 IVF- oder ICSI-Behandlungen. Bei etwas mehr als 90 Prozent kam es zum Transfer, bei rund 33 Prozent zu einer Schwangerschaft. Circa 71 Prozent der Schwangerschaften führten zur Geburt.
- Zwei Drittel der IVF- und ICSI-Behandlungen wurden im Frischzyklus durchgeführt, ein Drittel im Kryozyklus. Die Geburtenrate je Frischzyklus-Behandlung lag 2020 bei knapp 23,5 Prozent. Künstliche Befruchtungen im Auftauzyklus führten in rund 21,1 Prozent zum Erfolg.
- Zwischen der IVF und der ICSI bestehen hinsichtlich der Schwangerschafts- und Geburtenraten keine wesentlichen Unterschiede.
- Im Jahr 2020 waren von den nach einer künstlichen Befruchtung geborenen Kindern: 83,4 Prozent Einlinge, 16,3 Prozent Zwillinge und 0,3 Prozent Drillinge. Zur Orientierung: Bei auf natürlichem Wege entstandenen Schwangerschaften liegt die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge nur bei circa 1,25 Prozent.
- Bis zum 35. Lebensjahr lagen die Schwangerschafts- und Geburtenraten im Untersuchungszeitraum stabil bei 39,4 bzw. 30 Prozent. Mit steigendem Alter waren eine abnehmende Schwangerschaftsrate und eine zunehmende Fehlgeburtenrate zu verzeichnen. Patientinnen im 41. bis 43. Lebensjahr hatten den Statistiken zufolge noch eine Schwangerschaftsrate von 17,8 Prozent, aber nur noch eine 8,2-prozentige Geburtenrate. Bei den über 45 Jahre alten Patientinnen sank die Schwangerschaftsrate auf 7,4 Prozent und die Geburtenrate auf 2,9 Prozent².
Übersicht über wissenschaftliche Quellen
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