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Schwanger in den Wechseljahren: Erfolgsaussichten und Risiken

Machen sich erste Anzeichen für die Wechseljahre bemerkbar, verspüren manche Frauen den Wunsch, schwanger zu werden. Einige haben bereits ältere Kinder und würden gerne einem weiteren kleinen Wesen das Leben schenken. Andere haben sich bisher keine Gedanken bezüglich Nachwuchs gemacht, merken aber plötzlich, dass sie noch Mutter werden möchten, bevor es zu spät ist. Doch wie groß sind die Chancen für eine Schwangerschaft in den Wechseljahren und gibt es Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit zu verbessern?

Was genau sind die Wechseljahre?

Als Wechseljahre (auch: Klimakterium) der Frau wird der Zeitraum der hormonellen Umstellung am Ende des fruchtbaren Lebensabschnitts bezeichnet. Meist beginnt diese Phase mit Mitte 40 bis Mitte 50. Etwa die Hälfte der Frauen hat ihre letzte Regelblutung im Alter von circa 52 Jahren. Bei einigen bleibt der Zyklus bis zum Schluss regelmäßig, während sich bei anderen Unregelmäßigkeiten einschleichen und die Blutungen kürzer, länger, schwächer oder stärker als gewohnt ausfallen.

Aufgrund der Hormonveränderungen haben viele Frauen in den Wechseljahren Symptome wie:

    • Hitzewallungen und Schweißausbrüche,
    • Schlafstörungen und Nachtschweiß,
    • Müdigkeit und Antriebslosigkeit,
    • Kreislaufbeschwerden und Schwindel,
    • Konzentrationsstörungen,
    • depressive Stimmungsschwankungen,
    • trockene Haut und Schleimhäute, die oftmals Juckreiz verursachen,
    • verstärkter Harndrang und
    • Herzbeschwerden.

Einer Studie der Wake Forest School of Medicine, North Carolina, USA, zufolge treten die Beschwerden durchschnittlich über eine Spanne von 7,4 Jahren auf. Dabei bleiben sie umso länger bestehen, je früher sie beginnen. [1]

Wie groß ist die Chance, in den Wechseljahren schwanger zu werden?

Vor dem endgültigen Ausbleiben der Regelblutung können Sie durchaus auf natürliche Weise schwanger werden. Auch nach der Menopause ist eine Schwangerschaft noch möglich, allerdings lässt Ihr Hormonstatus wahrscheinlich keine gesicherte Aussage zu Ihrer Fruchtbarkeit mehr zu.

Laut Statistischem Bundesamt lassen jährlich circa 650 Frauen im Alter von 45 bis 55 Jahren einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen. [2] Das ist ein unumstößlicher Beweis dafür, dass ein später Kinderwunsch nicht unerfüllt bleiben muss. Der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) gibt die Chancen für eine Schwangerschaft zwischen 45 und 49 Jahren mit rund fünf Prozent an. Ab 50 sinkt die Wahrscheinlichkeit gegen null, aber eben nicht komplett auf null.

Anders sieht es aus, wenn Ihre ovarielle Reserve vollständig aufgebraucht ist. Spätestens dann ist es unmöglich, ein Kind auf natürliche Weise zu empfangen. In diesem Fall kann auch die Reproduktionsmedizin einen Kinderwunsch nur noch mit vorgefrorenen Eizellen oder mit Spendereiern erfüllen.

Wie lassen sich die Chancen auf eine späte Schwangerschaft erhöhen?

Es existieren ein paar beeinflussbare Faktoren, über die sich der Eintritt der Wechseljahre möglicherweise verzögern lässt. Dazu zählen neben einer ausgewogenen Ernährung auch Bewegung und Sport sowie der Verzicht auf Nikotin und Alkohol. Um optimale Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu schaffen, ist es außerdem wichtig, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, Stress zu vermeiden und ausreichend zu schlafen.

Darüber hinaus können Ihnen folgende Maßnahmen helfen, schwanger zu werden:

    • auf ausreichende Folsäurezufuhr achten,
    • Schwangerschaftsvitamine einnehmen,
    • fruchtbare Tage ermitteln, um zum richtigen Zeitpunkt Sex zu haben,
    • Sexstellungen wählen, bei denen die Samenzellen nah an die Gebärmutter herankommen und möglichst lange im Körper bleiben,
    • bei Verwendung von Gleitgel auf einen spermienfreundlichen pH-Wert achten,
    • sowohl Über- als auch Untergewicht vermeiden.

Grundsätzlich ist es ratsam, Ihren Frauenarzt über Ihren Kinderwunsch zu informieren. Unter Umständen leitet dieser zeitnah Untersuchungen ein, um Ihre Chancen besser abschätzen und Sie gegebenenfalls frühzeitig an eine Kinderwunschpraxis oder ein Kinderwunschzentrum überweisen zu können.

Wie kann die Medizin Frauen in den Wechseljahren zur Schwangerschaft verhelfen?

In der ersten Phase der Wechseljahre ist es möglich, die noch vorhandenen Eibläschen mit Hormonen zum Heranreifen zu stimulieren und damit die Chancen auf eine natürliche Schwangerschaft zu erhöhen. Funktioniert das allein nicht, könnte eine Insemination (Einbringen der Spermien in die Gebärmutter zum Zeitpunkt des Eisprungs) weiterhelfen. Bringt das ebenfalls keinen Erfolg, ist in aller Regel die künstliche Befruchtung der nächste Schritt.

Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) werden der Frau Eizellen entnommen und im Reagenzglas oder in einer Petrischale mit den Samenzellen des Partners zusammengebracht. Alternativ können kryokonservierte Eizellen Verwendung finden. Gelingt die Befruchtung, werden ein oder mehrere Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt. Allerdings führt längst nicht jeder dieser Eingriffe zur Geburt eines Babys. Zum einen sinken mit dem Alter die Chancen, dass sich die Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut einnistet. Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass das Risiko für Fehlgeburten jenseits der 40 deutlich ansteigt.

Eizellspende in Deutschland verboten

In Deutschland nicht erlaubt ist die künstliche Befruchtung mit fremden Eizellen. Somit bleibt Frauen ohne ovarielle Reserve nur der Weg ins Ausland, beispielsweise nach Frankreich, Schweden, Großbritannien, Spanien, Belgien, Polen, Österreich, Tschechien, in die Slowakei oder in die Niederlande. Strafbar machen sie sich damit nicht. Jedoch müssen sie die Kosten selbst tragen. Letzteres ist allerdings auch bei in Deutschland durchgeführten IVF mit eigenen Eizellen der Fall, wenn die Frau bereits über 40 oder der Partner über 50 Jahre alt ist.

Unklare Rechtslage bei Embryonenspende

Eine weitere Option ist die Embryonenspende, die jedoch in Deutschland wegen der unklaren Rechtslage nur vereinzelt durchgeführt wird. Hierfür dürfen ausschließlich Embryos verwendet werden, die bei der künstlichen Befruchtung eines anderen Paares „übriggeblieben“ und von diesem dafür freigegeben worden sind. Die Spendenbereitschaft ist jedoch eher gering. Das Netzwerk Embryonenspende Deutschland e. V. erfasste im Jahr 2019 40 Spenden. Dem gegenüber standen 300 Anfragen von Paaren, die auf eine solche Spende warteten. [3]

Ist eine Schwangerschaft in den Wechseljahren immer eine Risikoschwangerschaft?

Bei Frauen, die jenseits der 35 schwanger werden, steht im Mutterpass der Vermerk „Risikoschwangerschaft“. Das ist nicht automatisch ein Grund zur Sorge. In den meisten Fällen bedeutet das lediglich eine engmaschigere Überwachung von Mutter und Kind. Beispielsweise zahlt Ihre Krankenkasse die Kosten für folgende Untersuchungen:

    • Plazentapunktion (ermittelt die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Stoffwechselerkrankungen sowie für genetische Unregelmäßigkeiten wie Trisomie 21),
    • Fruchtwasseruntersuchung (liefert Hinweise zu Chromosomenabweichungen und anderen Erbkrankheiten),
    • Nabelschnurpunktion (kann Infektionen oder Blutarmut beim Baby feststellen),
    • Wehenschreiben (kommt beim Verdacht auf vorzeitige Wehentätigkeit zur Anwendung).

Die meisten Schwangerschaften in den Wechseljahren verlaufen komplikationslos und enden mit der Geburt eines quietschfidelen Babys. Dennoch ist es wichtig, sich der höheren Gefahren bewusst zu sein, auf einen gesunden Lebensstil zu achten und beim ersten Anzeichen für Komplikationen medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

[1] https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2110996

[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4545/umfrage/schwangerschaftsabbrueche-in-deutschland/

[3] https://www.apotheken-umschau.de/familie/kinderwunsch/schwanger-werden/neue-hoffnung-durch-embryonenspende-796031.html

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