Geheimnisse des Spermiogramms: Wie wird es gemacht und was bedeutet es?
- 25. April 2023
- Veröffentlicht durch: kiwuAdmin
- Kategorien: Männliche Fruchtbarkeit, Ratgeber
Zusammenfassung
Bleibt ein Kinderwunsch über längere Zeit unerfüllt, steht meist die Frau im Fokus. Dabei liegen die Ursachen in mindestens einem Drittel der Fälle bei beiden Partnern und in einem weiteren Drittel allein beim Mann. Deshalb ist es unerlässlich, dass dieser sich bezüglich seiner Zeugungsfähigkeit untersuchen lässt. Im Mittelpunkt der Diagnostik steht das Spermiogramm, eine Analyse des Ejakulats auf die Anzahl, die Beweglichkeit und das Aussehen der darin enthaltenen Samenzellen.
Weshalb wird ein Spermiogramm gemacht?
Mit dieser Untersuchung lässt sich überprüfen, ob eine nicht ausreichende Anzahl der Spermien oder eine schlechte Samenqualität dafür verantwortlich ist, dass es mit der Schwangerschaft nicht klappt. Die zu den Standardtests gehörigen Referenzwerte wurden von im Jahr 2021 von der WHO neu festgelegt¹. Sie beruhen auf den Ergebnissen der Ejakulatanalysen bei fruchtbaren Männern.
Wie läuft das Spermiogramm ab?
Für die Analyse wird frisches Ejakulat benötigt. Dieses gewinnt der Mann selbst per Masturbation. Urologische/andrologische Praxen verfügen normalerweise über entsprechende Räumlichkeiten, die für eine ungestörte, vertrauliche Samenabgabe eingerichtet sind. Sofern die eigene Wohnung nicht zu weit entfernt ist, besteht aber auch die Möglichkeit, das Sperma von zu Hause mitzubringen und diskret im Labor abzugeben. Zwischen Gewinnung und Abgabe darf jedoch maximal eine Stunde vergehen.
Bei der Spermiengewinnung in den eigenen vier Wänden sollten Sie Folgendes beachten:
- Benutzen Sie ausschließlich das Transportgefäß, das Sie in der Arztpraxis dafür erhalten.
- Verwenden Sie kein Gleitmittel. Dieses kann die Samenzellen verlangsamen.
- Gewinnen Sie die Samenprobe nicht durch Coitus interruptus. Das saure Vaginalsekret kann die Spermien schädigen und immobilisieren.
- Wollen Sie das Sperma durch Geschlechtsverkehr gewinnen, benötigen Sie ein Spezialkondom ohne spermizide Beschichtung. Dieses erhalten Sie in der Apotheke.
- Können Sie nicht das gesamte Ejakulats im Becher auffangen, sollten Sie das der Arztpraxis oder dem Labor mitteilen, da auch die Gesamtmenge des Spermas in die Beurteilung einfließt.
- Das Ejakulat muss körperwarm in der Praxis oder im Labor ankommen. Hitze schädigt die Samenzellen. Kälte immobilisiert sie. Sinnvoll ist ein Transport direkt am Körper oder zumindest in der Hosentasche.
Vor der Probengewinnung empfiehlt die WHO drei bis fünf Tage sexuelle Enthaltsamkeit. Wesentlich länger sollte die Karenzzeit nicht sein, da sonst die Anzahl der abgestorbenen Spermien steigt.
Welche Faktoren und Werte werden beim Spermiogramm untersucht?
Am Anfang steht eine makroskopische Untersuchung, bei der folgende Kriterien beurteilt werden:
- Farbe: Normales Sperma ist weißlich-trüb. Bräunliche Verfärbungen deuten auf Blutbeimengungen hin, ein gelblicher Farbton auf eine Infektion.
- Geruch: Charakteristisch für gesundes Ejakulat ist ein kastanienblütenähnlicher Geruch.
- Volumen: Gemäß WHO sollte die Menge des Ejakulats nicht unter 1,4 Milliliter liegen.
- pH-Wert: Dieser sollte zwischen 7,2 und 8 betragen.
Anschließend folgt eine mikroskopische Untersuchung, die folgende Werte erhebt:
- Spermiengesamtanzahl: Das Ejakulat sollte mehr als 39 Millionen Spermien enthalten.
- Spermienkonzentration: Ein Milliliter Sperma sollte mindestens 15 Millionen Spermien beinhalten.
- Anteil vitaler Spermien: Wenigstens 54 Prozent der Samenzellen sollten lebendig sein.
- Anteil beweglicher Spermien: Mindestens 42 Prozent der Samenzellen sollten beweglich sein.
- Anteil nach vorn beweglicher Spermien: Wenigstens 30 Prozent der Samenzellen sollten vorwärts schwimmen. Ob das langsam oder schnell geschieht, ist gemäß WHO-Richtlinien irrelevant.
- Anteil normal geformter Spermien: Mindestens vier Prozent der Samenzellen im Ejakulat sollten einen gleichmäßig geformten ovalen Kopf, ein circa gleich langes, jedoch deutlich schmaleres Mittelstück sowie einen Schwanz aufweisen.
- Leukozyten (weiße Blutkörperchen): Pro Milliliter Ejakulat sollte nicht mehr als eine Million Leukozyten enthalten sein.
Bei bestimmten Fragestellungen werden zusätzliche Werte wie der Gehalt von Zink oder Fruchtzucker im Ejakulat untersucht. In diesem Fall ist von einem erweiterten Spermiogramm die Rede.
Was bedeuten die Resultate des Spermiogramms?
Die Untersuchung kann folgende Ergebnisse erbringen:
- Normozoospermie: Alle Werte liegen im Normbereich.
- Oligozoospermie: Das Ejakulat enthält zu wenige Spermien.
- Asthenozoospermie: Das Ejakulat enthält zu wenig bewegliche Spermien.
- Teratozoospermie: Das Ejakulat enthält vermehrt fehlgeformte Spermien.
- Nekrozoospermie: Das Ejakulat enthält keine beweglichen Spermien.
- Azoospermie: Das Ejakulat enthält überhaupt keine Spermien.
- Parvisemie: Das Ejakulatvolumen ist zu gering.
Ein weiterer möglicher Befund ist das Vorhandensein von Spermien-Antikörpern. Diese würden die eigenen Spermien als fremd identifizieren und bekämpfen.
Einige der genannten Ursachen lassen sich therapieren, andere nicht. Grundsätzlich gilt jedoch: Ein „schlechtes“ Spermiogramm erbringt lediglich den Hinweis auf eine zum Untersuchungszeitpunkt verminderte Fortpflanzungsfähigkeit. Ob es sich um einen temporären oder dauerhaften Zustand handelt, lässt sich mit nur einer Untersuchung nicht feststellen. Deshalb muss jeder auffällige Befund mit einer zweiten Samenanalyse bestätigt werden. Diese erfolgt in aller Regel im Abstand von circa sechs bis zehn Wochen nach der ersten.
VIDEO: Spermiogramm – Wie läuft das ab und wie wird es ausgewertet?
Wie viel kostet ein Spermiogramm?
Die Samenanalyse schlägt mit rund 60 bis 90 Euro zu Buche. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für verheiratete Männer, wenn der unerfüllte Kinderwunsch nachweislich schon seit mindestens einem Jahr besteht. Bei privat Versicherten hängt die Kostenübernahme vom Tarif ab. Um auf Nummer sicher zu gehen, wenden Sie sich am besten vorab an Ihre Krankenkasse.
Wie geht es nach dem Spermiogramm weiter?
Das hängt vom genauen Ergebnis ab. Deutet dieses darauf hin, dass die schlechte Samenqualität ausschlaggebend für die ungewollte Kinderlosigkeit ist, rät der Arzt vermutlich zu einer Insemination, zur In-vitro-Fertilisation (IVF) oder zur Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI). Welche Methode sich am besten eignet, richtet sich einerseits danach, wie stark die Zeugungsfähigkeit eingeschränkt ist. Andererseits spielt aber auch eine Rolle, ob bei der Frau ebenfalls ein Fruchtbarkeitsproblem vorliegt.
Übersicht über wissenschaftliche Quellen
[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8706130/
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