Bioaktives Folat oder synthetische Folsäure? Der wichtige Unterschied erklärt
B-Vitamine spielen eine entscheidende Rolle in verschiedenen Stoffwechselprozessen und tragen zur Erhaltung der Gesundheit bei. Unter den B-Vitaminen nimmt Folsäure, auch als Vitamin B9 bekannt, eine herausragende Stellung ein. Doch es gibt zwei verschiedene Formen von Folsäure, die oft verwechselt werden: Bioaktives Folat und Pteroylmonoglutaminsäure.
Dieser Artikel wirft einen detaillierten Blick auf die Unterschiede zwischen diesen beiden Formen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit.
Bioaktives Folat (z.B. Quatrefolic® oder Metafolin®)
Bioaktives Folat, auch als Methylfolat oder 5-Methyltetrahydrofolat bezeichnet, ist die natürliche und biologisch aktive Form von Folsäure. Im Gegensatz zu synthetisch hergestellter Folsäure, die in vielen Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln vorkommt, ist bioaktives Folat direkt für den menschlichen Körper verfügbar.
Es spielt eine entscheidende Rolle im Methylierungsprozess, einem lebenswichtigen biochemischen Vorgang, der für die Regulation genetischer Aktivität und den Abbau von Homocystein verantwortlich ist.
Im Körper wird Folsäure zunächst in Dihydrofolsäure umgewandelt und dann durch verschiedene enzymatische Schritte zu Tetrahydrofolsäure und schließlich zu Methylfolat. Bioaktives Folat ist die letzte und direkt nutzbare Form dieses Vitamins. Diese Effizienz macht es besonders wichtig für schwangere Frauen, da es eine entscheidende Rolle bei der pränatalen Entwicklung des Gehirns und der Wirbelsäule des Babys spielt.
Pteroylmonoglutaminsäure (synthetische Folsäure)
Pteroylmonoglutaminsäure, allgemein als Folsäure bezeichnet, ist die synthetische Form von Folat. Diese wird in vielen Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln verwendet, um den Bedarf an diesem wichtigen Vitamin zu decken. Im Vergleich zu Bioaktivem Folat muss Pteroylmonoglutaminsäure im Körper erst in die aktive Form umgewandelt werden, um wirksam zu sein.
Einige Menschen haben genetisch bedingt Schwierigkeiten, Pteroylmonoglutaminsäure effizient in die bioaktive Form zu verwandeln. Die Ursache sind genetische Variationen im MTHFR-Gen. Diese genetische Variation kann die Umwandlung von Folsäure in die bioaktive Form beeinträchtigen und zu einem Anstieg des Homocysteinspiegels im Blut führen, was wiederum mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht wird. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Gendefekt zu haben, liegt bei 5% – 15%.
Unterschiede in der Wirksamkeit
Der Hauptunterschied zwischen Bioaktivem Folat und Pteroylmonoglutaminsäure liegt in ihrer Verfügbarkeit im Körper. Da Bioaktives Folat bereits die bioaktive Form von Folsäure ist, wird es direkt vom Körper absorbiert und genutzt. Dies macht es besonders vorteilhaft für Menschen, die Schwierigkeiten bei der Umwandlung von synthetischer Folsäure in die aktive Form haben.
Pteroylmonoglutaminsäure hingegen erfordert eine enzymatische Umwandlung, um biologisch aktiv zu werden. Einige Menschen können diese Umwandlung nicht effizient durchführen, was zu einer geringeren Wirksamkeit führt. Dies ist besonders relevant für Menschen mit genetischen Variationen im MTHFR-Gen, die die Fähigkeit zur Umwandlung beeinträchtigen können.
Gesundheitliche Auswirkungen bei Schwangerschaft
Ein niedriger Folatspiegel im Blut erhöht das Risiko von Neurahlrohrdefekten um das Vierfache. Diese Neuralrohrdefekte (z.B. Spina bifida) entwickel sich etwa 2-3 Wochen nach Befruchtung der Eizelle – wenn also die Frau noch garnicht weiß, dass sie schwanger ist. Deshalb ist das Erreichen eines normale Folatspiegels schon vor der Schwangerschaft so wichtig. Nur mit bioaktivem Folat (z.B. Quatrefolic® oder Metafolin®) kann das sicher erreicht werden – auch wenn der ansonsten unerkannte Gendefekt die Umwandlung von synthetischer Folsäure in Folat verhindern sollte.
Darüber hinaus könnte es bei der Reduzierung des Homocysteinspiegels im Blut effektiver sein, was das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern kann.
Pteroylmonoglutaminsäure ist jedoch nicht zwangsläufig schlecht. Es ist nach wie vor eine wirksame Form von Folsäure, und viele Menschen profitieren von Nahrungsergänzungsmitteln, die diese synthetische Form enthalten. Es ist wichtig zu beachten, dass die individuelle Genetik und der Gesundheitszustand eines Menschen bestimmen können, welche Form von Folsäure für ihn am besten geeignet ist.
Fazit
Bioaktives Folat ist nicht gleich Folsäure. Insbesondere bei Kinderwunsch sollte deshalb der Folatspiegel im Blut vorzugsweise mit bioaktivem Folat erhöht werden. Etwa 80% der Frauen nehmen nicht genug Folat über die Nahrung auf, so dass bei Kinderwunsch die Nahrungsergänzung mit bioaktivem Folat der Standard sein sollte.